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Netzwerktreffen der deutschsprachigen TOC-Experten, -Anwender und -Interessenten

Am 12. und 13. März fand die 9. Tagung der deutschsprachigen TOC-Experten, -Anwender und -Interessenten statt. Im sehr angenehmen Rahmen des Leonardo-Hotels in Ladenburg wurde gelernt, diskutiert und wurden viele neue Erkenntnisse vermittelt und mitgenommen.

Den Experten-Workshop am Freitag bestreitete Rudolf G. Burkhard, der in der TOC Szene als Supply-Chain Experte gilt. Rudi Burkhard arbeitet seit Jahren mit der TOC und gehörte früher zum Goldratt-Consultingteam. Heute arbeitet er zusammen mit der VISTEM vornehmlich in mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Der Experten-Workshop war hochspannend, hierzu berichtet Hannah Nowak:

Mit kleinen Maschinen, Paletten und Material bildeten wir Teilnehmer eine Produktionskette, um verschiedene Produktionstheorien am eigenen Leib zu erleben. Den Anfang machte die klassische Push-Methode. Nachdem man das an einer Arbeitsstation einmal selbst mitgemacht hat, wird man diese Methode nie wieder einsetzen. Es waren nicht nur längere Durchlaufzeiten und ständig steigendes WIP die Folge, sondern auch Stress und Konflikte unter uns Mitspielern.

Erleichterung kam erst mit der Frage von Rudi Burkhard: „Wie würdet ihr den Prozess verbessern?“ Jeder von uns hatte sofort Ideen, das Erste war natürlich die Entlastung des Engpasses. Wir stellten auch die Tische um, verringerten die Abstände zwischen den Arbeitsstationen, und schickten einen unseres Teams auf ein „Nickseminar“ nach Japan, damit er vom Produktionsleiter (Rudi Burkhard) die Qualitätskontrolle übernehmen konnte.

Zur totalen Entspannung führte dann die Installation einer „Drum“ (der Engpass zeigt der Materialfreigabe, wann sie etwas freigeben darf) und die schrittweise Verringerung der Palettengröße. Von 10-Stück-Paletten gingen wir auf 5, und zum Schluss reichten wir die Produkte einzeln weiter. Plötzlich waren die „Arbeiter“ an den langsamen Maschinen nicht mehr gestresst, und denen an den schnellen Maschinen war nicht mehr langweilig. Wir waren ein "Super-Team". Wir erreichten eine Verringerung der Durchlaufzeit auf ein Achtel der ursprünglichen Zeit, von über 400 auf 50 Sekunden, und hatten dabei einen Riesenspaß.


Der zweite Tag wurde traditionsgemäß im Netzwerk bestritten. Die Vorträge lieferten zum Teil atemlose, spannungsgeladene Stille aber auch heisse Diskussionen.
Paul Bayer stellte "Das Problemlösungsdilemma - ein TOC Denkprozess" vor, wie man mit Hilfe der Denkprozesse die Symptome erkennen kann, Problemlösungen anstreben und eine Durchbruch erzeugen kann. Anschaulich konnte für die Teilnehmer nachvollzogen werden, wie die 3 Kernfragen des Veränderungsprozesses "Was verändern?", "Wohin verändern?" und "wie die Veränderungen bewirken'?" auch dem Management dargestellt und umgesetzt werden können.

Gerhard Martin, Infineon, präsentierte unter dem Titel "TOC - cause and effect" die Anwendung der TOC bei Infineon. Zum Thema Supply Chain und Forecast unterhielt er die Teilnehmer mit spannenden Aussagen und Erkenntnissen.

Unter der Überschrift: "Rechnen Sie noch oder steuern Sie schon?" zeigte Christoph Lenhartz, VISTEM, auf, zu welchen falschen Entscheidungen manche Kennzahlen führen und dass die Kennzahlen der TOC den Unternehmen helfen, zielkonforme Entscheidungen zu treffen und nicht nur lokal zu optimieren. "Zeige mir wie Du mich misst, und ich zeige Dir, wie ich mich verhalte" ist leider immer wieder die Triebfeder für lokale Kennzahlen und damit verbundenen Entscheidungen, die nicht immer zielkonform sind. Mit Hilfe von Durchsatz (Throughput =T), Bestände und Investionen (Inventory=I) und Betriebskosten (Operating Expence = OE) ist man in der Lage, das komplette Unternehmen zu steuern - und zwar zielgerichtet.

Franz Nowak, Prinetsol, berichtete über Japan  - und den Einsatz von TOC. In Japan gilt TOC = Harmonie. Auf der letzten TOCICO Konferenz wurde gezeigt, dass japanische Unternehmen intensiv mit TOC arbeiten: von der Infrastruktur bis zu vielen ndustrie-Unternehmen, schon in 2008 in mehr als 30.000 Projekten. Warum geht das in Japan schneller als in Europa? Das ist sicher zum Großteil eine Kulturfrage, stellte Franz Nowak fest. Die Menschen sind anders, denken anders: Enthusiasmus darf gezeigt werden, Chefs trauen sich, Begeisterung zu zeigen und Mitarbeitern wird zugehört, aber diese stellen die Hierarchie nicht in Frage. Anhand von Toyota konnte Franz Nowak darstellen, wie schnell bei Entscheidungen unerwünschte Effekte auftreten, die nicht ignoriert werden dürfen und kam zu dem Schluß, dass es für die Einführung und Weiterverbreiterung von TOC in Japan höchste Zeit ist.

Zu guter Letzt zeigte Andreas Baumfalk ein praktisches Beispiel aus seiner täglichen Projektarbeit. Er arbeitet in einem Unternehmen, in dem er mit SCRUM und mit TOC im Unternehmen selbst und bei dessen Partnern eine neue Buchungslösung einsetzen will. Spannend schilderte er seine täglichen Probleme bei der Umsetzung und auch Auseinandersetzung mit den Beteiligten. Ein lebhafter Vortrag, der alle in seinen Bann zog.

Claudia Simon, die das Netzwerk ehrenamtlich betreut und organisiert, schilderte die Aktivitäten und neuen Ideen, die im Rahmen des Netzwerkes umgesetzt wurden und geplant sind. Der neue Termin für das nächste Netzwerkmeeting ist am 19. und 20. November. Weitere Information folgen rechtzeitig.

Posted from Claudia Simon, 19.03.2010 10:43
TOCCCPMDenkprozesseTP

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