Auszug aus "Goldratt und die Theory of Constraints" von Uwe Techt.
Engpass: der kaufbereite Kunde
Wenn wir die gesamte Kette der Distribution betrachten, dann besteht der generelle Engpass in den Kunden: Je mehr Kunden etwas kaufen wollen, umso mehr Durchsatz hat das gesamte System.
Möglicherweise blockiert im konkreten Fall etwas Anderes der Durchsatz. Dennoch: der kaufbereite Kunde ist der ultimative Engpass für eine erfolgreiche Supply-Chain. Genauer gesagt: der Endkunde.
Oder anders ausgedrückt: Solange der Endkunde nicht bezahlt hat, hat niemand in der Lieferkette etwas wirklich verkauft.
Jeder TopManager weiß das. Dennoch sieht die Praxis gegensätzlich aus: produzieren, liefern, Rechnung schreiben … und schon verbuchen wir den Erfolg. Aber die Realität ist: solange der Endkunde nicht gekauft hat, ist die Lieferkette verstopft. Manchmal mit dramatischen Auswirkungen: Jemand, der zwischen Ihnen und dem Endkunden in der Lieferkette „sitzt“, entscheidet sich, seine Bestände zu senken … das hat schon manchem Lieferanten die Existenz gekostet.
Den Engpass nutzen
Wenn das System nun nicht in der Lage ist, die Kunden, die etwas kaufen wollen, zu bedienen, dann ist das gerade das Gegenteil von „den Engpass bestmöglich nutzen“. Der Engpass wird verschwendet! Nur allzu oft kommt es vor, dass nämlich genau das Produkt in der Ausprägung, in der ein Kunde es haben möchte, nicht verfügbar ist.
Wenn wir den Engpass bestmöglich nutzen wollen, dann heißt das automatisch, dass wir immer alles verfügbar haben müssen, was der Kunde zu kaufen wünscht.
Dieser Grundsatzentscheidung muss – wenn sie realisiert werden soll – alles andere untergeordnet werden. Alles andere muss auf den Prüfstand, damit es möglich wird, den Engpass bestmöglich zu nutzen, also immer alles verfügbar zu haben, was der Kunde zu einem bestimmten Zeitpunkt kaufen möchte.
Solange der Händler auf sich allein gestellt ist, hat er keine andere Wahl als sich hohe Bestände ans Lager zu legen. Das aber kann er sich nicht leisten. Er muss Abstriche machen. Das führt zu ausverkauften Produkten. Folge: der Kunde geht woanders hin oder kauft ein Konkurrenzprodukt; ein Schaden für die ganze Lieferkette.
Schauen wir uns einmal genauer an, warum der Einzelhändler (oder auch andere in einer Lieferkette) so hohe Bestände haben muss. Was genau sind die Einflussfaktoren?